Transponieren – Eine kurze Anleitung

Kann ein Musiker die ersten Stücke spielen, möchte er auch bald mit anderen Instrumenten zusammenspielen. Da die Klarinette durch ihre Bauweise ein transponierendes Instrument ist, braucht sie spezielle Noten, wenn sie mit einem Instrument anderer Stimmung (beispielsweise einem Klavier) zusammen spielt oder muss die Töne entsprechend anpassen. Während die Klarinettenstimmen in Orchesterwerken oder in Stücken für gemischte Besetzungen bereits entsprechend angepasst sind (vergleiche die Tonarten!), muss man beim spontanen gemeinsamen Musikzieren die Noten selbst umschreiben oder direkt im Kopf transponieren. Was für den Anfänger schrecklich kompliziert klingt, ist für den geübten Klarinettisten eine Gewohnheitssache, die nur ein wenig Übung braucht.
 
Die Klarinette gehört zu den B-Instrumenten (daher auch die Bezeichnungen B-Klarinette oder Klarinette in B). Das bedeutet, dass ein auf der Klarinette gespieltes c in Wirklichkeit einen Ganzton tiefer klingt – es klingt also der Ton b. Man unterscheidet daher bei transponierenden Instrumenten notierte und tatsächlich klingende Töne. Weitere B-Instrumente sind beispielsweise die Trompete, das Sopran- und das Tenorsaxophon. Im Zusammenspiel mit diesen Instrumenten ist auf der Klarinette keine Anpassung durch Transposition notwendig.
 
Neben der B-Stimmung gibt es noch zahlreiche andere Stimmungen. Hier eine kleine Auswahl:
 
C-Instrumente:
 
Klavier, Orgel, Gitarre
(Sopran-)Blockflöte
Querflöte, Oboe, Posaune
alle Streicher
Es-Instrumente:
Altsaxophon, Baritonsaxophon, Es-Klarinette
F-Instrumente:
Waldhorn (gibt es auch in Es)
Englischhorn
 

Transponieren einer C-Stimme

Man kann ein Stück praktisch an jede Stimmung anpassen, indem man es auf die entsprechende Tonstufe setzt und die Unterschiede zwischen den Instrumenten damit ausgleicht. Hier wird exemplarisch die häufigste Form des Transponierens für einen Klarinettisten beschrieben: Das Spielen einer gemeinsamen Stimme mit einem C-Instrument, wie es beispielsweise im Zusammenspiel mit einer Querflöte der Fall ist.
Spielen beide Instrumente den Ton c, klingt dieser auf der Klarinette, wie bereits beschrieben, einen Ganzton tiefer, während auf dem C-Instrument tatsächlich ein c klingt. Um diesen Unterschied auszugleichen, muss die Klarinette einen Ton höher spielen, also ein d. Jetzt klingen beide Instrumente gleich. Entsprechend spielt die Klarinette beim Einstimmen eines Orchesters auf den Kammerton a ein h.
Beim Transponieren eines gesamten Stücks muss nun jeder einzelne Ton nach oben versetzt werden, wodurch sich auch die Vorzeichen ändern können. Es gibt hierbei verschiedene Strategien. Hier die zwei gängigsten:
 
Das absolute Denken: Jeder Ton wird einzeln um einen Ganztonschritt nach oben versetzt (Beispiele: d ► e, es ► f, e ► fis, b ► c, h ► cis etc.). Diese Strategie erfordert relativ viel „Denkleistung“ und Routine im schnellen Umdenken.
 
Das „Tonarten-Denken“: Hierbei wird zunächst die Tonart, also die allgemeingültigen Vorzeichen, bestimmt und dann ebenfalls jede Note im Kopf (oder auf dem Papier) um eins nach oben verschoben. Vorteil bei dieser Strategie: Es muss beim Umdenken nicht zwischen Ganz- und Halbtonschritten unterschieden werden und die „Trefferquote“ der Vorzeichen ist beim „Vom-Blatt-Spiel“ höher.
Die Ermittlung der Tonart kann auf verschiedene Arten erfolgen:
  • Absolut (C-Dur ► D-Dur, G-Dur ► A-Dur, h-Moll ► cis-Moll etc.)
  • über den Quintenzirkel (jeweils 2 Schritte nach rechts)
  • durch Addieren bzw. Abziehen von Vorzeichen (B-Instrumente haben immer 2 # mehr bzw. 2 b weniger als C-Instrumente: Das Originalstück hat 3 b ► die Klarinette muss nur 1 b beachten, Original: 1 b ► Klarinette: 1 # etc.).

Beispiel:


Aus: B. Heller, „Lalai – Schlaflied zum Wachwerden?“ für Orchester
(Schott Music, CON 262)

 

Jeder Klarinettist muss für sich selbst ausprobieren, welche Methode für ihn die praktischste ist. Am besten übt man das Transponieren „vom Blatt“ zunächst an einfachen Stücken, die man gut im Ohr hat. Mit ein wenig Übung geht das Umdenken immer besser und schneller, so dass das zeitaufwendige Umschreiben nicht mehr nötig ist.
 
Für das Transponieren in andere Tonarten (z. B. im Zusammenspiel mit einem Altsaxophon) hilft es, zunächst den Abstand zum klingenden c zu ermitteln und dann jeden Ton einzeln anzupassen.
 
Beispiel:
Klarinette in B:
 
das gegriffene c’’ klingt wie b’
► klingt einen Ganzton bzw. eine große Sekunde tiefer als notiert
Altsaxophon in Es:
das gegriffene c’’ klingt wie es’
► klingt eine große Sexte tiefer als notiert
 
Beim Zusammenspiel muss die Klarinette also einen Abstand von einer Quarte nach unten ausgleichen (von b’ nach es’). Wollen beide Instrumente ein klingendes c’ spielen, muss die Klarinette ein d’ und das Altsaxophon ein a’ spielen.