Atmung, Haltung und Co. – „Der Ton macht die Musik“
Neben dem Erlernen der Griffe auf der Klarinette, muss natürlich auch das richtige Atmen trainiert werden und auch die Haltung spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Klarinettisten (oder andere Bläser) benutzen häufig Begriffe wie Zwerchfell- und Bauchatmung, Stützen, Ansatz oder Anstoß. Was für den erfahrenen Spieler selbstverständlich ist, muss von Anfängern zunächst verstanden und dann gezielt trainiert werden.
Musikalisches Atmen
Im Alltag atmet man in der Regel in den Brustkorb, was sich durch das Ausdehnen der Rippenbogen beim Einatmen bemerkbar macht. Man kann dabei drei Phasen erkennen: Einatmen – Pause – Ausatmen, wobei das Ein- und Ausatmen jeweils recht kurz ausfallen. Beim Spielen eines Blasinstruments muss jedoch sehr viel Luft in das Instrument gebracht werden und das möglichst lange, um musikalische Zusammenhänge nicht durch Atemholen zu unterbrechen. Oft gilt: Je weniger geatmet wird, desto besser – und dennoch muss zur gleichen Zeit die Luftsäule immer gleichmäßig stark sein, um einen schönen Ton zu erzielen. Dafür ist es nötig, sich gezielt eine bewusste Atemtechnik anzutrainieren. Eine solche Atemtechnik kann man nicht nur bei Musikern beobachten: Viele professionelle Redner, wie beispielsweise Politiker, setzen die Atmung gezielt ein, um eine feste Stimme zu haben und lange Sätze an einem Stück zu sprechen.
Zunächst einmal ist es aber wichtig, dass man die körperlichen Vorgänge beim „musikalischen“ Atmen versteht und bewusst steuern kann. Um möglichst viel Luft einatmen zu können, muss sich das Lungenvolumen vergrößern. Da diese Ausdehnung jedoch seitlich durch die Rippen eingeschränkt wird, muss sie nach unten erfolgen. Hier spielt das Zwerchfell eine zentrale Rolle. Es ist ein großer Muskel, der Brusthöhle und Bauchraum voneinander trennt und sich nach unten ausdehnen kann, umso mehr Platz für die Lunge zu schafft. Zudem lässt sich mit dem Zwerchfell besser Druck auf den Luftstrom ausüben als bei der ausschließlichen Atmung in den Brustkorb. Um den Muskel zu entdecken gibt es mehrere Möglichkeiten.
Wie kann man das Zwerchfell erfühlen?
Unbewusst hat jeder Mensch das Zwerchfell im Körper schon einmal wahrgenommen: Beim „Schluckauf“ zieht sich genau dieser Muskel immer wieder ruckartig – oft auch schmerzhaft – zusammen. Um diesen Effekt künstlich zu erzeugen, kann man auch seine Hände unterhalb der Rippen auf den Bauch oder seitliche an die Taille legen und den Laut „Ha!“ kurz und schlagartig ausstoßen. Man fühlt dann ein leichtes Zucken bzw. Anspannen unter der Haut: Das ist das Zwerchfell. Auch Nicht-Musiker setzen die Zwerchfell-Atmung unbewusst ein, wenn sie gegen einen Widerstand anpusten, wie es z. B. beim Aufblasen eines Luftballons geschieht. Achtet man gezielt darauf, stellt man fest, dass man beim Aufblasen automatisch den Bauchbereich anspannt, diesen Effekt nennt man „stützen“. Aus diesem Grund wird diese Form der Atemtechnik auch Bauchatmung genannt. Durch die Ausdehnung von Lunge und Zwerchfell nach unten werden die Organe im Bauchraum nach vorne verdrängt und der Bauch wölbt sich nach außen. Oft wird beim Stützen auch von „in den Bauch atmen“ gesprochen.
Die „Stütze“
Der Begriff „Atemstütze“ (kurz: „Stütze“ genannt) kann schnell zu einem Missverständnis führen, denn wir assoziieren „stützen“ mit „halten bzw. festhalten“. Musizieren hat aber mit Beweglichkeit zu tun und nicht mit Starrheit. „Stützen“ bedeutet im positiven Sinn, dass dem Ton ein Halt gegeben werden soll. Das Beispiel mit dem Luftballon verdeutlicht das sehr gut. Hat man keinen Ballon zur Hand, kann man diesen Effekt auch durch folgende Übung erfahren:
Weitere Übungen und ausführlichere Informationen zum Thema „Atmung“ sowie ergänzende Texte zur Instrumentalschule „Klarinette spielen – mein schönstes Hobby“ (ED 20640) gibt es im Downloadbereich zum Herunterladen und Ausdrucken.
Die Haltung beim Spielen
Haltung und Atmung gehören zusammen wie die zwei Seiten einer Medaille. Ohne eine gute Haltung wird keine gute Atemtechnik möglich sein. Wie aber sieht eine ideale Körperhaltung aus? Hier ein paar grundsätzliche Regeln:
Stehen oder Sitzen?
Grundsätzlich sollte beides geübt werden, da auch in der Praxis – also beispielsweise beim Spielen in einer Gruppe – beide Situationen vorkommen. Für Anfänger, die erst noch ihre bewusste Atmung entdecken müssen, ist das Spielen im Stehen empfehlenswert, da dann der Bauchraum gerade und frei ist. Beim Sitzen sollte darauf geachtet werden, dass der Stuhl nicht zu weich und nicht zu niedrig ist, die Beine sollten an den Knien einen rechten Winkel bilden. Also nicht wie auf der Couch vor dem Fernsehgerät sitzen, sondern auf dem vorderen Bereich des Stuhls. Zudem sollte man sich nicht anlehnen, da so zum einen die Atmung nicht frei erfolgen kann und zum anderen das Körpergefühl verloren geht.
Unabhängig vom Sitzen oder Stehen gilt: die Füße sollten in Beckenbreite stehen. Die Schultern bleiben entspannt und sind nicht hochgezogen oder noch vorne geneigt, während die Schulterblätter leicht nach hinten zeigen. Gleichzeitig muss jedoch der gesamte Schulterbereich beim Spielen locker und beweglich sein. Der Kopf wird nicht zur Klarinette vorgebeugt, sondern aufrecht und in gerader Linie zur Wirbelsäule gehalten. Das Instrument richtet sich nach der Kopfhaltung und nicht umgekehrt. Die Arme bleiben locker neben dem Körper hängen. Nicht die Ellbogen krampfhaft nach außen drücken, sondern entspannt den Bewegungen beim Musikzieren folgen. Die Hände sollten auf den Tonlöcher und Klappen nicht verkrampft aufgesetzt werden. Beim Spielen bleiben die Finger immer schön rund, als ob sie statt der Klarinette ein zerbrechliches Glas halten würden. Von Zeit zu Zeit sollte die Haltung vor einem Spiegel kontrolliert werden.
Ansatz
Unter Ansatz versteht man nicht nur das Ansetzen der Klarinette an und in den Mund, sondern den gesamten Anspielvorgang. Klarinettisten sprechen manchmal davon, dass sie „keinen Ansatz mehr haben“, wenn sie beispielsweise längere Zeit nicht gespielt haben und ihnen die „Ausdauer“ (z. B. bei langen Auftritten) fehlt. Wie beim Sport muss man auch beim Musizieren regelmäßig trainieren, um seine Kondition zu steigern.
Für Anfänger ist es schwierig immer wieder die richtige Position für das Mundstück zu finden, bei der ein Ton entsteht. Ist das Mundstück nicht weit genug im Mund, hindert die Unterlippe das Blatt am Schwingen. Ist es aber zu weit im Mund, wird statt einem Ton nur ein lautes Quietschen entstehen. Hier ein paar kleine Tipps:
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Übung:
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Die Dampflokomotive
Hierbei beginnt man zunächst einen Ton langsam anzustoßen, beschleunigt dann das Tempo und lässt es zum Schluss wieder „auslaufen“, ohne dazwischen zu atmen. Diese Übung sollte auf jeder Tonhöhe wiederholt werden.
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